Blog
JamesVermont.at
mit freundlichem Krächzen
Nebeltrommel.at - Trommelbegleitung für Anderswelt-Reisen
Samstag, 02 Juni 2012 19:12

Popstars & Autoren

geschrieben von  JamesVermont
Schwarz Schwarz JamesVermont

Fünf Teile sind nun online von meinem Roman in Episoden, den Spiegelschritten. Grund für mich, ein vorläufiges Resümee zu ziehen und zu Fragen, was Popstars und Autoren gemeinsam haben...

Tja, ich darf mich erstmals in meinem Leben „Autor" nennen. Das tue ich aber vorsichtig, quasi unter vorgehaltener Hand, denn eigentlich habe ich in dem Sinn kein „echtes" Buch geschrieben, obwohl es sich für mich natürlich so anfühlt. Die fünf Teile der Spiegelschritte sind mehr als nur ein durch den sanften Hauch einer Muse ausgelöstes und in Textdokument gegossenes Brainstorming. Ich hab mich wirklich hingesetzt und den Text solange paniert bis ich es ebenfalls war – dann an eine Handvoll liebe Menschen geschickt und deren Anmerkungen noch einmal kritisch reflektiert. Es gab bisher nur ein Dokument in meinem Leben, das besser ausgearbeitet war als diese Texte:
Die Konzeptmappe vom BBnC.

Und trotzdem wandert der Stoff, ohne den strengen Blick eines Lektors ertragen zu haben, in die Hände der Leserschaft. Ich schreibe nicht schlecht, das weiß ich – trotzdem will ich zum einen selber dazulernen und andererseits Qualität bieten. Ob ich den Geschmack der werten Leserschaft treffe steht auf einem ganz anderen Blatt. Bei jenen selbst geschrieben Romanen, die meinen Stauraum schrumpfen lassen, habe ich stets in dem Bewusstsein gearbeitet, dass nach mir jemand kommt und den sprachlichen Schwachsinn aufräumt – für mich haben immer der Stil und der Inhalt gezählt.
Rückblickend betrachtet war das blauäugig und brachte mir einige verpasste Chancen – kein Vergleich zu den Spiegelschritten.

Ich weiß nicht, ob es in Verlagshäusern jemanden gibt, der die Autoren vor literarischen Torheiten bewahrt. Bei mir treten die Peinlichkeiten immer weit nach den Veröffentlichungen auf und meist auch nur dann, wenn ich jemanden direkt darauf anspreche. So geschehen im dritten Teil, wo ich definitiv über mein Ego gestolpert und ohne es zu wollen in die Rolle des Erklärbären geraten bin.

Von dem schlimmsten Lapsus zum Start der Spiegelschritte gar nicht zu reden: Alter, „lern erst mal Deutsch, Junge!" – einige von Euch werden wissen, was ich damit meine.

Noch so ein Griff in die Asche war das Feedback eines lieben Freundes, von dem ich gehofft hatte, ihn für mein Schaffen begeistern zu können. Tja, ihm gefällt der Erzählstil (Präsens) nicht (ich denke, damit geht es vielen so) – eine Frage des Geschmacks? Mir tut es trotzdem leid.

Was mich nach all dem rettet ist, dass ich für mich die Frage nach der Sinnhaftigkeit meiner Schreibtätigkeit geklärt habe. Ich liebe die Arbeit an der Serie und hätte nicht gedacht, dass es mir so viel Spaß machen wird. Für mich ist es ein Übungs- und Experimentierfeld – ich will ja gar nicht DEN ROMAN abliefern – für's Lernen aus meinen Fehlern ist es gut genug. Und bei der bescheidenen Zeit, die mir zur Verfügung steht, bekomm ich mehr auf die Reihe als gedacht. Die Textlängen und Inhalte sind überschaubar und als Print bei meiner täglichen Busfahrt in die Arbeit lesbar. Ich schreib' das hier in so aller Deutlichkeit, weil ich nach wie vor ein gespaltenes Verhältnis zu meinem Hobby habe. Ist es das jetzt? Ist es nicht wieder nur ein Luftschloss wie die Feuerschnur?
Baby, wir lesen uns in zwei Jahren wieder...

Derzeit scheint meine Leserschaft aus ca. zwanzig Personen zu bestehen. Traue ich der Statistik meiner Website, wurden alle fünf Teile bis jetzt in Summe 128 mal heruntergeladen. Das heißt natürlich nicht viel: Ich weiß ja nicht, ob die Dateien auf irgendwelchen Downloadordnern herumgammeln, oder an hundert andere Leute per Mail verschickt worden sind. Noch, so scheint es, kenne ich alle meine Leser persönlich ;-)

Und das mit dem Lesen einer PDF ist auch wieder ein Kapitel für sich. Ich denke die Menschen, die vielleicht halb so viel NERD sind wie ich, haben ein mobiles Endgerät, dass in der Lage ist, ein Textdokument angenehm lesbar, unabhängig von der räumlichen Umgebung darzustellen. Für die überwiegende Mehrheit strahlen auf Papier gedruckte Bücher die gleiche wohlige Atmosphäre aus wie ein Kaminfeuer samt dampfender Teeschale. Ich lese Bücher – sofern es sich dabei nicht um Fachliteratur handelt – ein Mal. Danach ärgere ich mich über den verbrauchten Stauraum. Selbiges gilt für Filme – nicht aber für Musik, eh klar warum ;-)
Ich bin dankbar für den Segen des digitalen Lesens und stell mich mal eben in die Randgruppe.

Meine Texte auf diese Art und Weise zu publizieren ist mehr als schwierig und das ist mir bewusst (ich schaffe es auch nicht Werbung dafür zu machen). Mehr noch von Bedeutung als die Arbeit eines Lektors und das Auswahlverfahren durch den Verlag ist folgende Tatsache:
ein Buch ist ein Buch – da hat man etwas in der Hand. Problem:
es muss gekauft werden (oder geliehen). Und da liegt mein Ansatz begraben:
Schriftsteller wird nur jemand, der seine Bücher verkauft (davon leben können bekanntlich ganz wenige, aber um das geht es jetzt nicht). Und nur der, der etwas verkauft, scheint bedeutend zu sein. Müssen gerade die Denker und Weltenbauer das System Geld unterstützen?
Seltsamer Gedanke.

Im Buchwesen geht es ebenso um Investitionen wie z.B. in der Immobilienbranche. Kein Verlag mag in einen Stümper investieren, was für den Kunden mit sich bringt, dass das verfügbare Lesefutter „vorsortiert" wurde – vor allem, wenn das Pickerl „Bestseller" am Umschlag prangt. Im Endeffekt dreht sich für mich die Frage nach einem Verlag um den selben Angelpunkt, wie die Diskussion um Urheber- und Nutzungsrechte im Internet. Aber wie viele Leute kommen auf die Idee im Internet nach einem Gratisbuch von einem Noname-Autor zu suchen? Die selbe Frage kann man stellen, wenn es um lizenzfreie Musik im Internet geht. Chartstürmer finden ihre Erfolgschancen nur in Eitunes oder im Plattenladen. Ein erfolgreicher Autor ist in meinen Augen vergleichbar mit einem Popstar. Will ich Popstar sein? Und was ist eigentlich ein erfolgreicher Autor? Einer der verkauft – mehr nicht? Das soll alles sein? Robert, sag was!

Nun, ich mag meine PDFs, weil ich lustig Links in die Welt des Internets setzten kann, das ich so liebe. Ich bring's unter der CC-Lizenz heraus, weil ich will, dass es unabhängig von meiner Internetseite weiterverbreitet wird, was auch so ziemlich dem Gedanken der Netzgemeinschaft entspricht. Und wer weiß, wo es denn mal landen wird (in schwarz / weiß ausgedruckt und links-oben geheftet ;-))?

Die Spiegelschritte sind als Einführung in mein persönliches Universum gedacht. Der Grund, warum in den ersten fünf Teilen viel Hintergrundinformationen und wenig Handlung vorkommt. Sollte ich jemals so viel Zeit und Eier haben einen Roman zu vollenden und an einen Verlag zu schicken, so wird er mit Sicherheit in der Welt der Spiegelschritte spielen. Und wenn der Verlag sich herablässt mit mir zu reden, dann kann ich auf die zwanzig Mitleser meiner Website verweißen und sagen:

„Ich komm aus der digitalen Welt. Das ist okay, man kennt mich dort."

Gelesen 1736 mal

Schreibe einen Kommentar

James Newsletter

Info bei neuen Blogbeiträgen! Ein, bis zwei mal monatlich.




Bleib auf dem Laufenden! Kostenlos und jederzeit kündbar.

Blogroll )

James Blog )

Meine Podcasts )

Das Hörbarium und die Nebeltrommel

Elarias Blog )

Weibliches & Poetisches von der Sternenelfe & Moosfrau