2012 wird definitiv das Jahr, in dem ich mich neu zu definieren habe. Nicht nur weil für mich ein lange sehr wesentlicher Teil in Rauch aufgegangen ist, sondern weil ich nun ein paar ganz grundlegende Sachen in meinem Leben verstanden habe.
Ich habe verstanden, warum ein paar meiner ganz großen Taten zum Sterben verurteilt waren. Da durfte ich im Forum vom Festival Mediaval die Signatur von Steinmeister – dem Chef des Organisatorenteams lesen:
Willst du schnellen Erfolg - machs alleine. Willst du beständigen Erfolg - machs gemeinsam.
Äh, ja. Wer mich in meinen mid-20iger Jahren rund um die BBnC's kennen gelernt hat, der wusste, ich will alles und vor allem sofort. Egal ob es sich dabei um eine Zigarette, oder den Eiffelturm handelte. Und mir war kein Aufwand zu groß, um es zu erreichen. Da ich auf Grund der eigenen Verblendung niemanden sah, der mir bei der Bewältigung der Aufgaben vielleicht hätte helfen können, entstand Frust darüber, dass ich stets alleine kämpfen musste. So ging es mir aber nicht nur mit meinem Festival, sondern auch mit Texten, Bilder oder anderem kreativen Kram.
Es war nicht das Ergebnis, das mich trieb, sondern der Prozess der Manifestation. Oft bin ich so sehr erfüllt von Inspiration, dass ich mich selbst zerfleischen möchte, um die Idee ins Leben zu rufen. Und meistens folgt die Erkenntnis, dass der Sachzwang Sieger ist. Wenigstens habe ich etwas über Geduld gelernt und – man möchte es nicht für möglich halten – über Selbstbeherrschung. Das hat meinem Roman „Das Neue Land" zum Überleben verholfen. Ja, ich kann auch beharrlich und einer Sache treu sein.
Das ändert für mich persönlich nichts an der Sache, dass die Schritte, die zum Abschluss meiner Projekte führen, stets viele sind. Und das ist etwas, dass mich so oft wütend macht! Ich nehme mir Dinge vor, bei deren Umsetzung sich ihre schier unüberwindliche Größe zeigt. Doch es wären nicht die Nornen, hätten sie für mich keine passende Antwort parat:
Elaria, Helena und Aeneas.
Es gibt kein größeres Projekt, das – im wahrsten Sinne des Wortes – mehr kleine Schritte erfordert, als ein Kind. Kinder haben auch die Eigenschaft, Erwachsene (Ui, ich hasse dieses Wort. Fuck, ich mag nicht erwachsen sein! Pfui!) zu erden und ins Jetzt zu holen. Das ist für mich vor allem krass, denn wenn man mal dort bei ihnen war, erkennt wo man früher gewesen ist. Und ich bin nun mal ein Typ, der stets den Kopf in die Wolken streckt und das ist gleichzeitig auch mein Problem:
Denn wenn man von da oben hinunter auf die Erde schaut, hat man zwar einen Überblick, doch erblickt nichts als Stagnation. Mit genügend Entfernung sieht auch ein Ameisenhaufen wie ein unscheinbarer, lebloser Hügel aus. Umgekehrt kann ich meine Frau verstehen, die täglich im Tun mit den Kindern, kein Fortkommen erkennt. Denn ist man im Armeisenhaufen, kann der Rest der Welt getrost an einem vorüberziehen. Das schätze ich übrigens, wenn ich von Zeit zu Zeit Vollzeitvater bin.
Die Perspektive zu wechseln, sehe ich als die Lösung. Doch Mensch ist ja bequem und eine andere Haltung einzunehmen ist (anfangs) anstrengend. Und wie immer bei solchen Aussagen, stelle ich keine Ausnahme dar.
Ich habe schon vor einiger Zeit beschlossen, mich von meinen Großprojekten wie meinem Roman nicht mehr frustrieren zu lassen. Es hat sich heraus gestellt, dass mangelnder Output, umschlossen von stetiger Arbeit ebenso frustriert (welch überraschende Erkenntnis!). Da ich Ideen genug, nicht jedoch ausreichend Ressourcen zu Verfügung habe, habe ich mich zu einem literarischen Mittelding entschlossen. Denn ganz ohne zu schreiben kann ich auch nicht leben. Der Plan sieht so aus:
In meinem Dasein als Blogger (alleine die Bekenntnis zu diesem Dasein hat mich einen Zacken in der Krone gekostet (Hilfe, ich bin gewöhnlich!)), werde ich noch einen Schritt tiefer gehen und eine Fortsetzungsgeschichte als Onlineroman schreiben. Jeder Teil wird eine an sich geschlossene Geschichte beinhalten, sowie eine kurze Zusammenfassung der bisherigen Teile, damit ihr Leser den Überblick behält. Ich hoffe, den Intervall von mindestens einem Teil pro Monat halten zu können.
Solche Fortsetzungsromane im Internet sind etwas, von dem so gut wie jedes Autorenforum abrät. Vermutlich, weil sie ein wenig von der Hoffnungslosigkeit vieler möchtegern-Schriftsteller (und das meine ich nicht abwertend) zeugen. Heutzutage ist ein gedrucktes Buch noch immer eine große Sache, dementsprechend schwierig ist es in den Olymp der Autoren aufzusteigen. Da wird ein Verlag, und / oder ein Lektor gebraucht und vielleicht sowas wie ein lesender Freundeskreis wäre auch nicht schlecht.
Für mich stellt sich allerdings die Frage des geringeren Übels:
Mit dreißig noch keinen Roman veröffentlich zu haben, dafür aber ein liebender Vater zu sein. Oder einen Onlineroman zu bloggen, um sich von der Tatsache abzulenken, dass es die nächsten zwanzig Jahre einfach keinen Platz für den Schriftsteller in mir gibt.
Warum ich so denke, lässt sich am besten mit folgendem Beispiel erklären:
„Das Neue Land" ist zu vergleichen mit einer durchschnittlichen Straße in Klagenfurt. Sie ist eine Dauerbaustelle, bei der mal hier mal da Löcher gegraben, ein paar Rohre verlegt und dann wieder zugeschüttet werden. Liest man meinen Text, so holpert man von Szene zu Szene und meint es mit x-verschiedenen Jamesen zu tun zu haben. Jaja, in acht Jahren gibt es einen Haufen Baustellen in so einer durchschnittlichen Klagenfurter Straße und jedes Loch wurde zu unterschiedlichen Zeiten aus unterschiedlichen Gründen gegraben. So wie die Stadt nicht ausreichend Geld hat, den ganzen Straßenzug zu sanieren, so fehlt mir die Zeit, den Text in einem Zug zu überarbeiten, um ihm meinen momentanen Stil zu geben.
Ad Acta lege ich den Skript allerdings nicht. Bin ja stur! Egal ab Online-Fortsetzungsgeschichtenroman oder meine Family. Es geht alles, bloß halt in kleinen Schritten.
