Was die wenigsten, die mich kennen wissen und die meisten, die mich lange genug kennen vergessen haben ist: Ich schreibe. Und zwar nicht nur Eventrückblicke und Forumspost, die aus meinem magischen Leben berichten, nein. Ganz konkret: Gedichte und vor allem Geschichten. Ersteres ist meist intimer Natur und für meine Frau bestimmt, oder für einen ganz speziellen Freund oder noch speziellere Anlässe.
Zu Zweiterem habe ich mit Sicherheit das gestörtere Verhältnis. Ich kann mich noch daran erinnern, als Elfjähriger in unserer Gaststube gesessen zu haben – mein damaliger Vater hinter mir. Vor mir eine Geschichte zum Thema Umweltschutz, die für eine Ausstellung in der örtlichen Sparkassa bestimmt war. Ich sollte zum dritten Mal die Geschichte neu schreiben, weil meine Handschrift nicht schön genug war. Natürlich wollte ich nicht mehr, weils mir zum Hals raus hing. Ich musste aber, sonst bekäme ich von meinem liebevollen Vater wieder eine verpasst. Er war stur – ich aber auch.
Etliche Jahre später hatte ich die erste Begegnung mit einer Muse. Kurz bevor ich in den Zug zu meiner Lehrstelle nach Wien stieg, sah ich mit meinen Eltern einen ganz bestimmten Film. Und zack! Da war eine Geschichte in meinem Kopf, die mich komplett veränderte. Die nächsten Tage und Wochen sperrte ich mich nach der Arbeit in meinem Zimmer ein und schrieb sie auf. Schrieb die Hauptfigur tot. Haha... Das nagte lange Zeit an mir, schuf aber gleichzeitig den Epos meines Tagtraumkosmos.
Wie auch immer. Durch den ersten Kuss der Muse, fand ich zur Magie, zum Hexentum, zu meiner großen Liebe, zum Hexentreffen, zum BBnC, zu meiner Frau und schließlich zu meinen Kindern. Nur eines fand ich nicht: Raum zum Schreiben. Bis 2003 arbeitete ich an vielen kürzeren oder längeren Geschichten. Die wenigsten davon wurden abgeschlossen, noch weniger fanden den Weg zu einem geneigten Leser. Auch der Grund für meine Homepage ist das Schreiben. In den Goldgräberzeiten des Internets, als Anwaltskanzleien die Abmahnverfahren noch nicht als Haupteinnahmequelle entdeckt hatten, war es verdammt cool, seine eigenen Texte als Download anzubieten. Mittlerweile gibt es tausende Blogs, deren Nutzungsrecht der Texte von profitorientierten Verlagshäusern Suchmaschinenoptimiert angeboten werden.
Die letzte große Ausrede, sich nicht dem Schreiben zu widmen, war die Feuerschnur. Letztes Jahr im Herbst, vor der Geburt meinem ersten Kind stand ich vor der Wahl. Entweder die letzten Ausläufer meiner Veranstaltungsreihe zu einem Abschluss zu bringen, oder mich meinem verstaubten Hobby zu widmen. Unter „Projekte" seht ihr den Ausgang der Entscheidung.
Jetzt gibt es die Feuerschnur und das zweite Baby steht vor der Türe. Ich grabe in den Texten eines Skriptes, das ich 2004 abgeschlossen habe. Eigentlich sollte es heuer fertig werden. Aber ich spüre in meinem Genick den eisigen Hauch meines Perfektionismus. Nunja, vor sage und schreibe acht Jahren habe ich anders gedacht, hatte ich zum Teil andere Ideen vom Leben. Zum Teil habe ich sie als „falsch" entlarvt, wieder revidiert. So kann ich einiges nicht unkommentiert stehen lassen. Muss überarbeiten, einfügen und ...nachdenken. In Summe kommt ein komplett neues Werk dabei raus. Hier und da nostalgisch, trotzdem mit genug Gegenwartskritik.
Ich bin glücklich, endlich alle Ausreden abgearbeitet zu haben. Es bleiben ohnedies genug Umstände, die mich davon abhalten in die Tasten zu hauen. Der Schlaf ist da mein größter Feind. Gefolgt von Job und Essen. Praktischerweise hat meine Tochter nun ihre eigene Tastatur. Sie ist übrigens eine geduldige Zuhörerin.
